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Holiday im Eisblock 05.12.2010

in Pressemeldungen über die Saale Bulls 05.12.2010 10:56
von Stephan • Chefchen | 18.645 Beiträge | 109717 Punkte

Holiday im Eisblock



Am Wochenende ist Eisbein-Zeit. Ines Körner aber kennt ein probates Mittel gegen kalte Füße und Frost-Finger. Genauso Wärme spendend wie dicke Stiefel und Handschuhe soll ihre Trommel sein. Behauptet die Hallenserin jedenfalls, die seit sieben Jahren bei den Spielen des ESC 04 Saale-Bulls Stammgast in der halleschen Eissporthalle ist. "Minutenlanges rhythmisches Trommeln, das ist zwar ganz schön anstrengend, macht aber warm," versichert der Eishockey-Fan.

Und plötzlich ist die Notarfachangestellte mit der roten Strähnchen-Frisur außer Rand und Band. Euphorisch bearbeitet die 43-Jährige das Schlaginstrument, während sich um sie herum alles in die Arme fällt. "Tooooor", brüllt auch Frank Grießel neben der emsigen Trommlerin und klatscht Männlein wie Weiblein ab. Sohn Tony, der fast zwei Meter große Kfz-Mechaniker, und drei andere reißen die acht mal sechs Meter große Torfahne vom Boden, heben sie über die gesamte Breite hoch. Von hinten greifen Hände zu und ziehen das Tuch nach oben, über die Köpfe des kleinen Trupps in den schwarz-roten Dressen, der vor Freude unterm Stoffdach tanzt. Schon in Spielminute eins haben die Bulls ihr erstes Tor im Kasten der Piranhas aus Rostock versenkt. Heimtor zwei fällt eine Minute später.

"6:4 hab' ich heute getippt. Da müssen die Rostocker aber bald kommen", fordert Frank Grießel. Wie Ines Körner und die anderen in den Fan-Dressen mit Spitznamen und Geburtsjahr auf dem Rücken ist der 48-jährige Hallenser ein Anhänger des halleschen Eishockey-Vereins und Mitglied des Fanclubs "Kategorie Block C", kurz K-B-C. Vor fünf Jahren wurde der Club - der Name ist bewusst gewählt, um zu zeigen, dass man gegen Gewalt ist - gegründet. Inzwischen zählt er 29 Mitglieder. Die kommen im Familienverband und versäumen von Anfang September bis Ende März kein einziges der rund 50 Saison-Spiele ihres Vereins. "Eishockey ist die schönste Nebensache der Welt", schwärmt Frank Grießel und erzählt, dass die sangesfreudige Gemeinschaft freitags nicht nur in Halle für Stimmung sorgt. Jeden Sonntag, sieben Monate lang, geht es mit dem Bus in die gegnerischen Eis-Stadien.

Selbst die lange Fahrt nach Freiburg im Breisgau war bisher keine Hürde für die reiseerprobten Fans. Immerhin haben die meisten von ihnen mit ihren Auswärtstouren inzwischen schon mehr als ein Mal die Erde umrundet. Und wenn die Bulls beim Gegner ausrutschen, ist das auch kein Problem. "Dann wird auf jeden Fall die Rückfahrt schön", versichert Frank Grießel und schwärmt vom vierten Drittel auf der Heimfahrt im Bus. Da wird gelacht, gefeiert, gesungen. Und Paparazzo Frank kommt zu den schönsten Schnappschüssen für die Fan-Homepage.

Jetzt ist in der Eissporthalle wieder Jubeln angesagt. Diesmal noch frenetischer und lautstark unterstützt von den fünf anderen Fan-Clubs der Bulls. Spieltor drei ist gefallen und damit das 1 000. Heimspieltor des halleschen Vereins. Nicoletta Achilles, die sich im Fan-Club für weich gespülte Fahnen und das Reisegepäck zuständig fühlt, donnert derart auf ihre Trommel, dass den Umstehenden die Vibrationen auf die Brust knallen. Derweil hüpft Ilona Grießel mit den Frauen im Takt der eingespielten Musik. "Auch so halten wir uns warm", sagt die Erzieherin. Die 46-Jährige gehört seit drei Jahren zum K-B-C. Nicht nur, weil ihr das rasante Spiel gefällt und weil sie hier auch mal ungeniert Worte brüllen kann, die ihr bei der Arbeit sonst nicht über die Lippen kommen. "Wir verstehen uns. Da passen die Interessen", schwärmt die Hallenserin. Später erzählt sie von den gemeinsamen Unternehmungen. Kino, Bowling, Weihnachtsmarkt-Besuche, Sommerfeste, Urlaubsreisen, Clubabende beim 39-jährigen Vereinschef Ralph Kreißig in Kanena. Und auch eine Kult-Fahrt mit Übernachtung an einem Auswärtsspielort der Bulls wird jedes Jahr organisiert. Von der Tour nach Füssen schwärmt heute noch jeder. Ebenso wie vom Besuch des Spiels der Berliner Eisbären in der 0-Halle. "Wir saßen in einer Lounge, auf Ledersesseln. Knabbereien standen auf dem Tisch. Schön warm war es auch", erinnert sich Ines Körner, der dort aber nicht nur das Trommeln gefehlt hat. "In den alten Hallen ist man dichter dran am Spiel. Das finde ich schöner. Auch wenn es manchmal bitterkalt ist. Wie in Braunlage, wo bei minus 27 Grad das Bier im Becher gefror", sagt Ines Körner, die immer mit Ehemann zum Spiel anrückt. Auch Benny, der 19-jährige Sohn, hat sich vom Eis-Fieber seiner Eltern anstecken lassen. Der Student der Wirtschaftsinformatik, der gerade eine der vier Club-Trommeln frenetisch bearbeitet, unterstützt Mutter und Saale-Bulls akustisch.

Bei Familie Grießel war das anders. Da ging die coole Initiative vom heute 23-jährigen Sohn aus. "Als Tony zwölf war, bekam er Freikarten für ein Spiel. Da bin ich mitgegangen," erzählt Frank Grießel und beschreibt seine eher mäßige Lust am Zuschauen. Doch Tony nervte jedes Wochenende. Bis das Eis auch bei Papa und später bei Mama brach. Seither heißt es für die Grießels jedes Saison-Wochenende Holiday im Eisblock.

Anfang des Jahres ist auch Caro Radke zum Club gestoßen, Tonys 24-jährige Freundin. Die Blondine reißt grad die Arme hoch, weil zwischenzeitlich die Saale-Bulls zum siebten Mal den Puck im Rostocker Tor versenkt haben. Selig schunkelt Caro und stimmt in den Fan-Gesang ein: "So spielt man Eishockey." Die Stimmung ist super, was auch auf der Eisfläche nicht unbemerkt bleibt. "Wenn gute Stimmung herrscht, dann bist du einen Schuss motivierter", sagt Verteidiger Gregor Stein nach dem Spiel.

"Ich wusste nichts über Eishockey", gesteht Caro Radke, die sich heute gut auskennt. "Bevor ich mit Tony zum Spiel ging, hab' ich erst mal bei Wikipedia nachgelesen, dass dieser Sport 1840 in Kanada entstand, dass der Puck etwa 160 Gramm wiegt und eine Mannschaft fünf Feldspieler hat und einen Keeper. Doch mit meinem Wissen konnte ich nicht glänzen. Das Spiel war einfach zu schnell", lacht die Angestellte.

Jubel, Trubel, Heiserkeit. Jeden Freitag und jeden Sonntag. "Und eine Menge Geld habe ich auch schon für mein eisiges Hobby gelassen", stellt Frank Grießel ohne Wehmut fest. "Etwa 20 000 Euro kommen bei mir mit den Jahren schon zusammen für Trikots, Schals, Eintrittskarten, Getränke, die Fahrten", überschlägt der Catering-Mitarbeiter die Ausgaben für sein Hobby. "Aber dafür rauche ich seit zehn Jahren nicht mehr."

Gerade haben die Saale-Bulls, die am Ende mit 12:3 vom Eis gehen, das 10:0 geschossen. Diesmal bleibt die Torfahne unten. Abklatschen, Trommeln und Frauen-Hüpfen müssen reichen. Und ein bisschen wird noch das Häufchen leidender Rostock-Anhänger akustisch aufgemuntert: "Rostock, wir hören nichts", beginnt Vereinschef Ralph Kreißig den Sprechgesang. Und Daniel Stockmann, Annett Hermann, Thomas Rückwald und die anderen fallen ein. Nicoletta Achilles trommelt dazu wie wild, unterstützt von Benny und Ines Körner. Und niemand klagt jetzt noch über Eisbeine.


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Fehlende Leistung wird durch Wahnsinn ersetzt

Normal sein kann jeder,verrückt sein ist geil!

Trag mich zur Bar, einen trink ich noch!


Es ist nicht wichtig ob du gewinnst,sondern das du gewinnst !!!


zuletzt bearbeitet 05.12.2010 10:56 | nach oben springen
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