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Warum nicht zusammenwächst was nicht zusammengehört! Eishockey ist ein emotionaler Sport. Gerade deshalb konnten sich in diversen Eisstadien Stimmungen etablieren, die man weder auf Fußballplätzen noch in anderen Sportarenen finden konnte.
Auch die Zuschauerklientel war nicht nur männlich, nein auch Frauen und ganze Familien frönten ihren Vereinen und ihrem Sport. Emotionen ausleben bedeutete auch, daß man sich vom Stress des Alltags erholen konnte. Nirgends klappte die Symbiose zwischen seinem Verein und den Fans besser als beim Eishockey. Guten gegnerischen Leistungen zollte man auch den nötigen Respekt.
Man konnte deshalb auch mit mancher Niederlage umgehen. Natürlich kam es dann und wann auf den Rängen auch zu unschöneren Szenen, doch erlebte man dann eine einzigartige Selbstreinigung unter den Fans und man konnte wieder zur Tagesordnung übergehen, sein Team anfeuern und seine Emotionen ausleben. Natürlich verklärt die Vergangenheit Vieles von dem Beschriebenen. Doch man konnte ohne Angst die Spiele besuchen. Die Liga verwandelte sich und damit auch die Vereine und die Fans. Das Publikum wurde insgesamt kritischer. Gründe sind in den gewandelten Strukturen, sowohl im Eishockey, als auch in der Gesellschaft zu finden.
Gerade die Gesellschaft ist es, die manchen auf der Strecke lässt. Höhere Anforderungen in Schule und Beruf lassen häufig soziale Bindungen in den Hintergrund treten. Nicht zu vergessen unser Bildungsdilemma. Ein Erbe der 68er Generation? Es würde jetzt zu weit führen, aber es wurde sicherlich versäumt bestimmte Werte zu vermitteln, die ein besonderes Gut darstellen. Dazu gehört vor allem ein respektvoller Umgang einander und soziale Verantwortung. Klar, wenn es die Gesellschaft nicht vorlebt, wie sollen diese Werte heute noch vermittelt werden. Wenn „Jedem das Seine und mir das Meiste“ tagtäglich Jedermann vor Augen geführt wird, wenn in der Politik seit Jahrzehnten diesbezüglich die ruhige Hand das Zepter schwingt, wenn Integration bis heute nicht begriffen ist, wenn Gerechtigkeit mit Füßen getreten wird, wenn Familien sich in Selbstverwirklichung üben, wo und wie sollen Kinder dann noch lernen?
In den Ligen sieht es nicht minder erschreckend aus. Fortschreitende Kommerzialisierung trägt dem Leistungsgedanken Rechnung. Früher undenkbar, so ist es heute Gang und Gäbe, das Geld Tore schießt. Nachhaltiger Umgang mit Ressourcen (z.B. eine vernünftige Jugendarbeit) ist dem Augenblickserfolg eher hinderlich.
Schaut man sich einmal in den Ultrakreisen um, so beziehen sich die Kreise zunächst auf das Ursprüngliche unseres Eishockeysports, u.a. Entkommerzialisierung und Unterstützung der eigenen Mannschaften. Dazu musste der Fan neu erfunden werden. Stimmung wurde „gemacht“ also „gearbeitet“. Das Ergebnis war endloser Dauersupport, ohne Hirn, ohne Witz. Hauptsache singen für die eigene Mannschaft. Der „richtige“ Fan war geboren.
Diese Pseudostimmung ist aber nicht die Stimmung, von der Eishockey im Besonderen lebt. Entweder bin ich in Stimmung oder aber nicht. Entweder springt bei mir der Funke über, das kann Anfeuern der eigenen Mannschaft oder auch Galgenhumor sein, oder aber nicht. Es sind immer Emotionen, die einen in Stimmung bringen, oder aber nicht. Keinesfalls ist es Dauersupport um des Supports oder der Selbstbeweihräucherung Willen der mich in Stimmung bringt. Eigentlich nervt dieser Dauersupport nur noch.
Schaut man in spezielle Ultrakreise, so wird mir auch klar, daß sich hier eine Subkultur heranbildet, die zu Problemen mit anderen Gästen des Eishockeys führen, und somit schädlich für die Vereine und den Sport sind. Ein Paradebeispiel für diese Schädlichkeit war das Regionalligaspiel zwischen der DEG Eishockey e.V. und dem ESC Moskitos Essen. Zunächst wird Pyrotechnik abgefackelt, daß man nur noch schlecht sehen kann. Dann wird der Gegner verhöhnt mit Gesängen aus der untersten Schublade. Später kam es dann zur „Böllerstimmung“ und Handgreiflichkeiten durften auch nicht fehlen. Stellt sich also die Frage, weshalb es gerade bei Fangruppierungen aus der Ultraszene immer wieder zu Problemen kommt. Da hilft dann manchmal ein Blick auf die Homepage, exemplarisch soll hier mal die des Düsseldorfer Supportersclub (DSC02) herhalten, auf der man u.a. folgendes nachlesen kann.
Zitat: „Wir sind eine überwiegend junge Gruppe mit dem Ziel unseren Verein, die Düsseldorfer Eislauf-Gemeinschaft von 1935, würdig zu unterstützen und unsere Heimatstadt Düsseldorf würdig zu repräsentieren.“ Was nehmen die sich eigentlich heraus? Erstens ist „würdig vertreten“ etwas anderes als mit hohlen Phrasen den Gegner zu beschimpfen, zweitens wähle ich bei Kommunalwahlen die Repräsentanten meiner Stadt. Keinesfalls will ich von dieser Gruppe repräsentiert werden. Zitat: „Jeder der eine Mitgliedschaft anstrebt oder bereits Mitglied ist muss bereit sein aus freien Stücken während dem Spiel alles aus sich raus zu holen! Es sollte eine Ehre darstellen die schönsten Farben der Welt zu unterstützen und zu vertreten. Da stellt sich mir doch die Frage, weshalb diese Problemfans mit schwarzen Jacken und Kapuzen auftreten? Die Antwort will ich später klären. Interessant in diesem Zusammenhang, daß noch ein weiterer Fanblock im Stadion zugegen war, der wohl dem gleichen Fanclub angehörte. Insgesamt kann man feststellen, daß weder die Düsseldorfer noch die Essener Farben bei diesen Clubs vertreten waren.
Zitat: „Gegenseitiger Respekt sollte intern, in der gesamten DEG-Szene und auch außerhalb vom Eishockey eine Selbstverständlichkeit sein. Genau aus diesem Grund lehnen wir auch Gewalt rund um unseren Sport ab und stehen dafür ein, dass die Eishockey Szene nicht zu einer plumpen Kopie der Fußball(-Riot)Szene verkommt.“
Vollkommen richtig. Nur verhält es sich in der Regel bei diesen Problemfans so, daß nach dem „intern“ schon der Schnitt kommt. Stinkefinger und das Verhöhnen des Gegners hat nichts mit dem Respekt zu tun, wie er beschrieben wird. Noch viel schlimmer sieht es bei der Rekrutierung des Nachwuchses dieses Clubs aus. Zitat: Wir sind ein Freundeskreis, und keine Gruppe die sich 1x in der Woche im Stadion bei der DEG trifft. Wer nur auf 1x die Woche "Stadion gehen" Lust hat, der ist bei uns leider falsch, denn wir leben und lieben diesen Verein - und das nicht nur einmal in der Woche! Wir treffen uns regelmäßig einmal in der Woche zum Ideen bereden, Fahnen malen, Aktionen vorbereiten oder einfach nur zum rumlabern. Diese Treffen sind keine Pflicht, aber wenn ich Mitglied in dieser Gruppe bin und mich einbringen will, dann kommt das automatisch. D.h. also, dass Freundschaft ein sehr wichtiger Part in unserer Gruppe ist.
Hier wird schon deutlich, daß Freundschaft innerhalb der Gruppe ein wichtiges Gut für diese Gruppe ist. Wie weit diese Freundschaft gehen kann, zeigt sich doch immer dann, wenn es, sagen wir mal so, zu abnormen Verhalten kommt. Es bildet sich eine Art Ehrenkodex, der es von außerhalb dieser Gruppe schwer macht, aufklärend zu wirken. Diverse Dinge werden halt intern unter Freunden geregelt. Zitat: Den Gegner in Grund und Boden singen und unsere Mannschaft unterstützen. Mit wem ist denn der Gegner gemeint? Gegnerische Fans? Gegnerische Mannschaft? Da die gegnerische Mannschaft nicht mitsingt, kann es nur Ersteres sein. Kann das der Beginn einer gewissen Spirale sein, an der man dreht? Lesen wir mal weiter. Zitat: Das ist das, wofür wir leben! Die DEG! Für die meisten von uns ist der Verein mehr als nur ein Hobby, viel mehr ist er ein Lebensgefühl und ein Lebensinhalt. Und weil dies in den vergangenen 2 Jahren immer mehr Jugendliche für sich entdeckt haben, gründete sich die SUPPORTER JUGEND. Gegründet wurde die Gruppe vom DSC 2002, weshalb wir, die Mitglieder der JUGEND auch ein Teil des DSC sind. Der Löwe, das Logo des DSC ziert auch unser Logo, was unsere Zusammengehörigkeit zeigt.
Es wird schon traurig, wenn die DEG der einzige Lebensinhalt dieser Gruppe wird. Auch der sonstige Freundeskreis und Horizont wird hiermit nicht gerade erweitert, es sei denn, man ist mit diesem Freundeskreis glücklich. Fakt ist aber, daß das soziale Umfeld der einzelnen Mitglieder hierunter leiden wird und somit für die freie Entfaltung der Persönlichkeit eines jeden einzelnen Mitglieds letztendlich kein Raum mehr ist. Interessant ist aber auch, daß das Zusammengehörigkeitsgefühl nicht durch die Vereinsfarben, die ja alle so sehr lieben, manifestiert wird, sondern durch den Löwen des DSC. Zitat: Wir sind aber auf keinen Fall vom DSC "abhängig". In vielen Sachen agieren wir eigenständig. Unsere Klamotten bestellen, Fahnen entwerfen, oder gemeinsame Aktivitäten. Sachen wie neue Artikel (Aufkleber, Buttons, T-Shirts etc.) sind aber mit den Führungsleuten des DSC abgesprochen. Es wird immer schlimmer. Hieraus lässt sich entnehmen, daß man schon wer ist, aber in der Hierarchie noch weiter kommen kann. Existiert in diesem Verein ein Führersystem? Zitat: Ich will mich nicht wie die anderen Trottel in meiner Klasse und der Schule verhalten, die sich regelmäßig ins Koma gemütliches trinkenen und sonst keine wirklichen Hobbys haben, geschweige denn ein Gesprächsthema außer gemütliches trinkenen und rauchen. Das dieses Denken nicht gerade auf viele Anhänger stößt ist klar. Wer auch nur ein Tick von der normalen Masse abweicht, wird direkt abgestempelt. Sei es der Emo, Punk, Fan/Ultra o.ä. . Wenn also im Unterricht oder auf dem Schulhof das Gesprächsthema Hooligans und Randalierer ist, sind die Augen auf mich gerichtet. Das diese Leute davon nicht die geringste Ahnung haben, dürfte jedem klar sein. Das wird einem auf die Dauer aber auch gleichgültig, denn jegliche Erklärungsversuche sind sowieso zum Scheitern verurteilt. Grundlegend kann man sagen, dass wir als Gruppe anders sein wollen als die breite Gesellschaft. Die Entscheidungen der DEG, der DEL oder sonstigen Organen wollen wir kritisch hinterfragen.
Versuchen wir es mal mit der deutschen Sprache und wir stellen fest, daß - die anderen Mitschüler Trottel sind und sich regelmäßig ins Koma gemütliches trinkenen; - die anderen Mitschüler keine wirklichen Hobbys haben.
Dann wird weiter vorgebaut. Alle anderen haben nicht die geringste Ahnung von Hooligans und Randalierern. Die Verfasser dieses Pamphlets bleiben allerdings einer Antwort auf das „Weshalb“ schuldig. Auch einer Auseinandersetzung mit diesem Thema ist in Augen des DSC zum Scheitern verurteilt. Diese Gruppe stellt sich offensichtlich außerhalb der Gesellschaft. Die Kleidung dieser Problemfans ist überwiegend schwarz mit Kapuze. Damit bezweckt man zum Beispiel, daß eine Identifizierung einzelner Mitglieder äußerst schwer fällt. Durch den Ehrenkodex, daß alle Freunde sind, ist man durch die Gruppe geschützt. Diese Verhaltens- und Argumentationsweise ist die Methodik der Rattenfänger, wie wir sie in unserer dunkelsten Vergangenheit erlebt haben oder aber noch heute in Rechten Kreisen vorfinden. Die Ziele mögen andere sein. War es früher die Liebe zum Führer, so ist es in den Augen des DSC02 die Liebe zur DEG. Wenn meine Liebe befleckt wird, dann kommt folglich der Hass auf den Befleckenden auf, und schon wird die Spirale in Gang gebracht. Hier sollte einfach mal ein Punkt gesetzt werden.
Ich liebe meine Frau, meine Kinder, meine Familie. Dort kann ich lieben lernen und vermitteln. Wenn ich mich im Einklang mit meiner Familie befinde, dann kann ich mich auch um meinen Nachbarn kümmern. Eine Liebe zu einem Verein oder Gruppe kann nie das Leben und Lieben einer Familie ersetzen. Insofern ist die Liebe zu einem Verein oder einer Gruppe immer das Grundübel einer jeden nicht friedvollen Auseinandersetzung. Die Religionskriege lassen grüßen. Seitens der Vereine kann es nicht sein, daß diese Probleme unter den Teppich gekehrt oder schöngeredet werden. Der DSC02 hat keinen Alleinvertretungsanspruch und es stellt sich die Frage, ob ich durch diese Gruppe mehr Zuschauer gewinne oder aber vergraule. Auch das Argument dieser Problemfans, daß ohne sie überhaupt keine Stimmung mehr wäre, ist kein Argument. Das habe ich eingangs schon einmal dargestellt und auf „Bombenstimmung“ habe ich auch keine Lust.
Wenn das alles Heinrich Heine wüsste, er würde sich sicherlich im Grabe rumdrehen.
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